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Vom Herrschen und Dienen

Heute Morgen beim Aufwachen kam mir beim Sinnieren über Gott, der ja oft als Herr angesprochen wird, folgender Gedanke auf:

Gott, welcher für mich der genialste Herrscher ist, ist auch der genialste Diener.

Diesem Grundgedanken möchte ich folgen und ihn weiterführen:

Mir wurde plötzlich klar, dass man nicht über etwas herrschen kann, wenn man dem, worüber man herrscht nicht auch dienen möchte. Herrschen und Dienen sind ein komplexes System. Um herrschen zu können, muss ich das kennen und auch lieben, was ich beherrschen, also führen möchte. Ein wahrhafter Führer muss mehr wissen und mehr Einfühlungsvermögen haben, als seine Untergebenen, seine Untertanen.
Es kann einem noch unvollkommenen Wesen nichts besseres passieren, als einen weisen und wohlwollenden Führer auf seinem Lebensweg an seiner Seite zu wissen, der jenem Wesen mit Rat und Tat zur Seite steht.

Herrschen ist für mich eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit. Sie stellt hohe Ansprüche an einen Herrscher. Um über etwas anderes herrschen zu können, es führen zu können, muss der Herrscher sich selbst erst einmal beherrschen / führen können. Was ich nicht selbst in mir habe, kann ich auch keinem anderen geben. Wenn ich mein Leben unbeherrscht lebe, also keine weise und wohlwollende Kontrolle auf meinem Lebensweg an den Tag lege, so bin ich auch nicht in der Lage andere Menschen auf ihrem Lebensweg führend zu begleiten.

Die Erde hat viele herrschen wollende Menschen über Jahrtausende getragen, aber nur wenige waren dazu auch wirklich in der Lage. Nur herrschen zu wollen reicht eben nicht aus. Man muss auch herrschen können. Herrschen zu wollen ohne auch gleichzeitig dienen zu wollen ist nicht möglich. Herrschen und Dienen bedingen einander. Wenn das herrschen wollen in einem Herrscher stärker ausgeprägt ist, als das dienen wollen, dann wird das harmonisch fließende Gleichgewicht des Lebens gestört. Durch das seinen Untertanen nicht mehr dienen wollen zerstört der Herrscher seine eigene Führungsmacht. Er degradiert sich sozusagen selbst. Er verliert die Fähigkeit andere führen zu können in dem Maße, wie er im den anderen dienen wollen nachlässt. Sich als Herr und Gebieter aufzuführen, ohne dazu befähigt zu sein, ist eine mühevolle Aufgabe für sich selbst, aber auch für die scheinbar Untergebenen.

Ein Herrscher, der nicht dienen kann und will, ist keiner.

Gott ist für mich der genialste Führer und auch Diener zugleich, was ich ja anfangs schon erwähnte. Aber warum ist er das für mich. Weil Gott das kennt, was er führt, denn er hat es ja schließlich selbst geschaffen und weil er weiß, wenn er dem nicht permanent dient, was er geschaffen hat, dann wird das Geschaffene nicht weiterhin existieren. Ein Diener Gottes sein zu dürfen ist etwas, was man sich selbst gönnen darf. Gott zu dienen ist keine Plage, denn einen weisen wohlwollenden Führer an meiner Seite zu wissen und dessen Rat freiwillig und freudig zu befolgen, macht nicht nur mich glücklich, sondern auch den, der mich geschaffen hat. Im wahrhaftigen lebendigen Dienen liegt das göttliche Glück. Gott ist glücklich, wenn er uns dienen kann und ich bin glücklich, wenn ich ihm dienen kann. Ich möchte am liebsten alle Menschen glücklich sehen und Gott natürlich auch, denn er ist ja die Quelle allen glücklichen Lebens. Ohne Quelle gibt es auch keinen Fluss. Wenn wir etwas fließen sehen, dann muss da irgendwo auch ein Ursprung sein, auch wenn der sich unseren körperlichen Sinnen nicht erschließt.

Die Wörter "dienen" und "Diener" sind in Misskredit geraten, weil auch die Wörter "herrschen" und "Herr" in Misskredit geraten sind. Das liegt für mich daran, dass man die Dinge getrennt voneinander betrachtet. Wenn ich Gott nur als Herrscher ansehe, dann werde ich Gott als meinem Diener nicht bewusst. Und wenn ich mich nur als Diener von Gott betrachte, dann bin ich mir auch nicht meiner Macht über Gott bewusst. Es steht nämlich in meiner Macht, Gott jeden Tag noch ein wenig glücklicher zu machen, als er es so schon ist. Da Gott in mir ist und ich in ihm, so sind seine Freude und sein Glück gleichzeitig auch meine Freude und mein Glück.

Dienen zu können, zu wollen und zu dürfen ist die Grundlage von Glückseligkeit.



:love
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7 Kommentare zu diesem Eintrag
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Lieber Hartmut,
Wie immer sind deine Gedanken sehr tiefgründig.
Ich schließe mich gern an: Der Herrscher ist gleichzeitig Diener.
Das entdecke ich überall in der Natur.
Es hält das Leben im Gleichgewicht.
Leider gibt es einige spezielle Wesen, denen das noch nicht bewusst geworden ist. Sie möchten andere ,und alles beherrschen, ohne irgendetwas zu dienen.
Diesen Zustand bezeichne ich als Ausbeutung.
Liebe Grüße von mir :stern
0
Liebe Heidi,
Danke für Deinen Besuch hier. Zur Ausbeutung gehören immer wenigstens zwei,
einer der einen anderen ausbeutet und einer der sich ausbeuten lässt.
Beide aber sind aus der göttlichen Lebensordnung ausgetreten und es liegt
im freien Willen beider sich wieder in die göttliche Ordnung zu begeben,
oder das gemeinsame "Spiel" außerhalb fortzuführen.

Liebe Grüße

:love
0
Genau!
:love
0
Lieber Hartmut, :love

es gab viele Momente in meinem Leben in denen ich mich nach einem „Führer“, Mentor oder Wegweiser gesehnt habe und war doch sehr froh, wenn ich bei P.Lauster sinngemäß lesen konnte: „Niemand kann dir sagen, was für dich wichtig ist. Nur du allein kannst deinen Weg finden.“
Inzwischen bin ich selbst als Beraterin und Begleiterin tätig und merke immer wieder, dass ich niemandem helfen kann, geschweige denn führen. Das einzige, was übrig bleibt ist Hinweise zu geben auf das, was man selbst entdeckt, erlebt oder erfahren durfte. Das ist alles. Manche Menschen lassen sich davon berühren und es entsteht eine wunderbare Resonanz und Übereinstimmung – doch, es geschieht von selbst. Ich tue einfach das, was aus mir heraus getan werden soll, ein ganz einfaches und natürliches Gottesdienst. Gott erfährt sich durch mich und ich bin sein Werkzeug. Auf diese Art und Weise bin ich in der Tat eine Gottesdienerin, die nichts vom Dienen und Führen wissen muss.
Es entlastet mich von der Vorstellung, wie ich sein sollte: besonders glücklich, besonders warmherzig oder ganz besonders liebevoll und hilfreich. Diese Eigenschaften stellen sich in mir ganz natürlich dann ein, wenn mein kleines hilfloses ich nichts mehr, meistens für sich selbst, bewirken möchte, denn früher war ich dauerhaft damit beschäftigt Menschen zu retten. Ich wusste einfach ganz genau, was Glück ist und wer Hilfe braucht. Eine Tendenz, die zum Glück immer mehr nachlässt.
Du schreibst von unserer Macht über Gott und das Glücklichsein. Es musste wirklich sehr, sehr leise in mir werden, um diese göttliche Essenz (Stille, Leben, Freiheit, Glückseligkeit, ich kann mich nicht entscheiden:) wahrnehmen zu können. Ich musste das Schauen und Lauschen lernen, um zu begreifen, wie sehr ich, durch diese Welt der Attraktionen, von mir selbst abgelenkt wurde. Mich selbst abgelenkt habe. Wenn diese Stille in mir, trotz Lärm, wahrnehmbar bleibt, dann entsteht Glückseligkeit und Gottesdienst – und das Leben wird insgesamt einfach.
Was ich ausdrücken möchte ist: Glück und Dienen sind sehr leise und haben wenig mit Machen zu tun, eher mit der „Mühe“ klar und direkt zu sehen, ohne eine (persönlich) erdachte Ergänzung, Veränderung, Verbesserung oder sonstige Vorstellung vom Glück.
Würde dann wirklich, etwas fehlen?
:fw
Herzliche Grüße,
Tatiana
0
Liebe Tatiana,

mein Blogeintrag entstand ganz spontan aus meinem Herzen heraus, er wollte aufgeschrieben werden. Gott als unseren Diener erfahren zu dürfen hat mein Herz höher schlagen lassen :)
Ich brauche auch keine persönliche Vorstellung von Glück, mir reicht es in letzter Zeit oft glücklich zu sein. Dieses Glück ist in meiner Erkenntnis begründet, dass alles was hier auf der Erde von Gott nach seinem Willen gewirkt, oder aber auch nur von ihm zugelassen wird, zum Wohle aller Menschenseelen notwendig und zielführend ist, egal ob die Menschen das erkennen, oder nicht.
Für mich sind eigene seelische Veränderungen wichtig, so ich sie für mich als notwendig erachte. Diese Veränderungen laufen aber sicher auch recht still in mir ab, weil es oft länger andauernde Prozesse sind. Mir würde etwas fehlen, so ich mich seelisch nicht bewusst weiterentwickeln würde.

Sei auch Du von mir herzlich gegrüßt
Hartmut

:love
0
Lieber Hartmut,

beim Lesen deiner Zeilen spüre ich einen Hauch von Traurigkeit. Habe ich dich zu einer Erklärung bedrängt? Das wollte ich nicht. Unsere Glücksgefühle oder Weiterentwicklung miteinander zu teilen, empfinde ich als sehr schön, bereichernd und wertvoll und bei näherem Hinschauen gar nicht so verschieden.
:love :ge
Fühl Dich herzlich umarmt,
Tatiana
0
Liebe Tatiana,

Danke für Deine Zeilen, die mir Deinen vorherigen Beitrag in einem anderen Licht erscheinen lassen. Unsere Umarmung tut mir gut :)


:fluegel:
0
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    Die vier Versprechen - Don Miguel Ruiz 1984

    Ich bin gerade auf einen Schatz gestossen, den ich in nächster Zeit studieren möchte. Zunächst hörte ich dieses Buch gesprochen auf youtube, dieses wurde aber mit einer Computerstimme vorgelesen, was sehr grausam klang. Ich begann gerade damit die gesprochenen 90 Minuten Text aufzuschreiben, suchte nach dem Autorennamen, der im Video undeutlich gesprochen wurde, Gott sei Dank und nun bin ich auf das komplette Buch gestossen.
    Für alle Interessierten ist hier der Link zum Buch "Die vier Versprechen - Das Weisheitsbuch der Tolteken von Don Miguel Ruiz":

    http://www.himmels-e...tyri_dohody.htm

    Auf dieser Seite wird das Buch auch kostenlos als pdf-Datei angeboten.
    Nun werde ich erst mal lesen und später gegebenenfalls dazu etwas schreiben.

    Viel Spass beim Lesen, bin schon ganz gespannt ...