Wollte nicht der Frühling kommen?
War nicht schon die weiße Decke
von dem Rasenplatz genommen
gegenüber an der Ecke?
Nebenan die schwarze Linde
ließ sogar schon (sollt ich denken)
von besonntem Märzenwinde
kleine, grüne Knospen schwenken.
In die Herzen kam ein Hoffen,
in die Augen kam ein Flüstern -
und man ließ den Mantel offen,
und man blähte weit die Nüstern...
Ja, es waren schöne Tage.
Doch sie haben uns betrogen.
Frost und Sturm und Schnupfenplage
sind schon wieder eingezogen.
Zugeknöpft bis an den Kiefer
flieht der Mensch die Gottesfluren,
wo ein gelblichweißer, tiefer
Schnee versteckt die Frühlingsspuren.
Sturmwind pfeift um nackte Zweige,
und der Rasenplatz ist schlammig.
In mein Los ergeben neige
ich das Auge. Gottverdammich!
ein sehr schönes Gedicht, was ich jedoch schade fand, ist, dass Erich Mühsam (ich kannte ihn bisher nicht), sich von den schönen Tagen betrogen fühlte. Ich kann ihn jetzt verstehen, er drückte damit seinen Schmerz aus, der ihn überkam, nachdem er die Tage des erwachenden Frühlings glücklich erlebte und dann doch wieder Sturm und Frost zurückkehrten. Ich glaube nicht, dass es die glücklich erlebten Frühlingstage sind, die uns betrügen, sondern, dass wir es selbst sind, weil wir zu früh den Winter als vergangen ansehen, was sich nicht exakt vorhersagen lässt, gerade zur damaligen Zeit, da die Wetterforschung noch nicht so weit fortgeschritten war und die klimatischen Verhältnisse sich nicht an unseren Kalender orientieren...Nun wollte ich nur kurz was dazu sagen, und ist doch wieder ins endlose fortgeschritten, ja, das muss ich auch noch lernen, mich kurz zu fassen. Aber vielen Dank, jetzt habe ich auch Erich Mühsam kennen gelernt und ihn in mein Herz geschlossen.
das hast du aber schön gesagt. Was mir an dem Gedicht auffiel ist, dass es uns in diesem Frühling nicht anders ging, als der Schnee und Hagel zurückkam und somit die schon frühlingshaften Tage enden ließ. Vielleicht fühlte Erich Mühsam sich deshalb um die Tage betrogen, weil die Frühlingszeit dadurch verkürzt wurde.
War nicht schon die weiße Decke
von dem Rasenplatz genommen
gegenüber an der Ecke?
Nebenan die schwarze Linde
ließ sogar schon (sollt ich denken)
von besonntem Märzenwinde
kleine, grüne Knospen schwenken.
In die Herzen kam ein Hoffen,
in die Augen kam ein Flüstern -
und man ließ den Mantel offen,
und man blähte weit die Nüstern...
Ja, es waren schöne Tage.
Doch sie haben uns betrogen.
Frost und Sturm und Schnupfenplage
sind schon wieder eingezogen.
Zugeknöpft bis an den Kiefer
flieht der Mensch die Gottesfluren,
wo ein gelblichweißer, tiefer
Schnee versteckt die Frühlingsspuren.
Sturmwind pfeift um nackte Zweige,
und der Rasenplatz ist schlammig.
In mein Los ergeben neige
ich das Auge. Gottverdammich!
Erich Mühsam (1878-1934)
LG
sich wieder aufrichten und Freude schenken.
ein sehr schönes Gedicht, was ich jedoch schade fand, ist, dass Erich Mühsam (ich kannte ihn bisher nicht), sich von den schönen Tagen betrogen fühlte. Ich kann ihn jetzt verstehen, er drückte damit seinen Schmerz aus, der ihn überkam, nachdem er die Tage des erwachenden Frühlings glücklich erlebte und dann doch wieder Sturm und Frost zurückkehrten. Ich glaube nicht, dass es die glücklich erlebten Frühlingstage sind, die uns betrügen, sondern, dass wir es selbst sind, weil wir zu früh den Winter als vergangen ansehen, was sich nicht exakt vorhersagen lässt, gerade zur damaligen Zeit, da die Wetterforschung noch nicht so weit fortgeschritten war und die klimatischen Verhältnisse sich nicht an unseren Kalender orientieren...Nun wollte ich nur kurz was dazu sagen, und ist doch wieder ins endlose fortgeschritten, ja, das muss ich auch noch lernen, mich kurz zu fassen. Aber vielen Dank, jetzt habe ich auch Erich Mühsam kennen gelernt und ihn in mein Herz geschlossen.
Herzliche Grüße
Harald
das hast du aber schön gesagt. Was mir an dem Gedicht auffiel ist, dass es uns in diesem Frühling nicht anders ging, als der Schnee und Hagel zurückkam und somit die schon frühlingshaften Tage enden ließ. Vielleicht fühlte Erich Mühsam sich deshalb um die Tage betrogen, weil die Frühlingszeit dadurch verkürzt wurde.
Danke für deine lieben Worte zu dem Gedicht.
Herzliche Grüße von Bussi